1x1 trans 63b98a0c8568c08fd01a6946a147bca65eff26c8085f1ccb5330aafe0f0dcd15 Id module large c4bdca0c18d5032a0b8eb35a18ce1e9e98c500ccd0742d2b3eedff244605ac6d
1x1 cccccc 8d2493664331c713b7a80a676e990318570dda4eb08afc10d9e7d2580d5be66e

BMW Motorrad Motorsport
News

München, Deutschland, 05.10.2016, BMW Motorrad Race Trophy

On-site mit dem HP Race Support

Ein Rennwochenende aus Sicht eines HP Race Support Ingenieurs

Einsatz mit Leidenschaft: Von Februar bis Dezember sind die Ingenieure des HP Race Support an jedem Wochenende rund um den Globus unterwegs, um die BMW Motorrad Motorsport Kundenteams im Rahmen des On-site-Supports bei der Vorbereitung und Abstimmung der BMW S 1000 RR an der Rennstrecke zu unterstützen. Traktionskontrolle, Motorbremse, Fahrwerksabstimmung und vieles mehr – alles muss bis ins Detail passen. Erfahren Sie in unserem Technik-Feature, wie ein Rennwochenende aus Sicht eines HP Race Support Ingenieurs im Rahmen der WorldSBK abläuft.

Das Maß der möglichen Unterstützung durch die Renningenieure ist in den unterschiedlichen Reglements der weltweiten Rennserien festgelegt.

Die Arbeit beginnt schon lange, bevor die Ingenieure Richtung Rennstrecke aufbrechen. In den Tagen vor dem Wochenende stehen die „Pre-Event-Jobs“ auf dem Programm. Dabei werden streckenspezifisch die Daten aus dem Vorjahr analysiert. Ist die Strecke neu im Kalender, werden Daten von Testfahrten und aus anderen Meisterschaften, die dort bereits gefahren sind, zu Rate gezogen. Dies ist einer der Vorteile einer großen, weltweiten Racing-Community: ein umfassender Pool an Informationen. Und für den höchst seltenen Fall, dass noch keine Daten vorliegen, nutzten die Ingenieure auch mal Google Maps, um ein genaues Layout der Strecke zu erstellen.

„Auf Basis dieser Informationen definieren wir dann eine Getriebe-Auslegung. Also: welcher Gang wird in welcher Kurve gefahren, welche Endübersetzung sollten wir verwenden, oder welche Gänge benutzen wir – alle, Gang eins bis fünf oder Gang zwei bis sechs. Das Ziel ist, das Drehmoment und die Leistung immer maximal auszunutzen. Dazu machen wir eine Simulation“, erklärt Ingenieur Marc Bongers, der unter anderem in der MOTUL FIM Superbike-Weltmeisterschaft im Einsatz ist.

Ein weiterer wichtiger Pre-Event-Job: die Bedienungsoberfläche der Elektronik, das Race Calibration Kit Pro, auf die jeweilige Strecke anzupassen. „Wir geben zum einen die Länge der Strecke und die Position der Boxenausfahrt ein und teilen im Anschluss den Kurs bereits in Sektoren ein. Später können wir dann Kurve für Kurve die spezifischen Parameter einstellen, um die Leistungsfähigkeit des Motorrads zu steigern. Also zum Beispiel Drehmomentlevels, Traktionskontrolle und Motorbremse. Anhand der festgelegten Übersetzung definieren wir im Race Calibriation Kit Pro im nächsten Schritt eine Basiseinstellung für diese Drehmomentlevels. Gibt es spezifische Kurven, in denen extrem hart angebremst wird, passen wir dafür auch schon die Basis der Motorbremse an“, so Bongers.

Je nach Rennserie dürfen die Teams pro Saison eine bestimmte Anzahl von Motoren einsetzen. Daher steht auch die Motoreneinteilung auf der To-Do-Liste der HP Race Support Ingenieure: „Wir versuchen, die zur Verfügung stehenden Motoren in Bezug auf Laufleistung und Belastung gut über die Saison zu verteilen. Zu jedem Motor gehören auch wieder gewisse Einstellungen, zum Beispiel in Sachen Einspritzung, die wir vornehmen. Dies alles machen wir, bevor wir an die Rennstrecke reisen.“

Prep-Day an der Rennstrecke

Am Donnerstag an der Rennstrecke stehen die Räder noch still. Aber in der Box herrscht bereits Hochbetrieb. Denn der Donnerstag ist der „Prep-Day“, der Vorbereitungstag für das Team und die HP Race Support Ingenieure. Im ersten Schritt wird das vorbereitete aktuelle Setting auf die elektronischen Steuergeräte, die ECUs, übertragen.

Dann geht es ans Motorrad: „Falls ein neuer Motor eingebaut wurde, müssen wir das Getriebe adaptieren, damit die Schnellschaltung optimal funktioniert. Da die Motorräder häufig zwischen den Rennen zerlegt und neu aufgebaut werden, wird alles noch einmal ins Detail gecheckt. Wir überprüfen, ob alle Sensoren im Steuergerät ankommen und funktionieren. Zum Beispiel die Sensoren für die Radgeschwindigkeiten oder die der Federwege. Ist alles geprüft, werden sämtliche Sensoren am Motorrad, also für die Federwege, die Bremsdrücke, die Öldrücke, die Schräglagen, die Drosselklappen und so weiter kalibriert und genullt. Dann setzen wir eine Ersatz-ECU auf, damit wir diese – etwa wenn aufgrund eines Crashs etwas defekt sein sollte – während einer Session sofort wechseln können. Im Fall der Fälle, zum Beispiel im Qualifying, kann jede gesparte Minute extrem wichtig sein.“ Die Ersatz-ECU wird natürlich auch regelmäßig upgedatet, damit sie immer auf demselben Stand ist wie die eingesetzte ECU.

Eine weitere Aufgabe am Prep-Day: die Vorbereitung des Data Recordings. Im Netzwerk, auf das der HP Race Support und das unterstützte Team zugreift, werden neue Ordnerstrukturen angelegt, in denen dann während des Wochenendes die eingefahrenen Daten geordnet und hinterlegt werden. Der Laptrigger, also der Rundenzeitrekorder, der in der WorldSBK vom Veranstalter Dorna gestellt wird und auch Boxenein- und ausfahrt sowie Sektoren aufzeichnet, wird gecheckt. Die maximale Durchfahrtszeit der Boxengasse wird für den Fahrer ersichtlich als Countdown auf das Dashboard gelegt, für den Fall, dass ein Flag-to-Flag-Rennen stattfindet. Zudem werden noch einmal alle Einstellungen durchgetestet, die der Fahrer am Motorrad selbst vornehmen kann.

„Wenn das alles okay ist, wird das Motorrad gestartet und noch einmal alles bewegt, also die Räder, die Federung und so weiter“, erklärt Ingenieur Bongers. „Dabei checken wir noch einmal die Schnellschaltung und prüfen, ob sich beim Warmlaufen alle Parameter des Motors richtig verhalten, ob der Öldruck passt, ob das Lambda richtig steht, sich die Trichter bewegen, ob der Benzindruck passt und so weiter. So wird sichergestellt, dass alles funktioniert, wenn das Motorrad am Freitagmorgen aus der Box fährt.“

Zudem wird in Zusammenarbeit mit dem unterstützten Team die Fahrwerksabstimmung detailliert durchgesprochen und mit den Einstellungen auf der jeweiligen Strecke in den Vorjahren und/oder mit vorherigen Events abgeglichen. Auch die Einstellung des Chassis kann einen erheblichen Einfluss auf die Elektronik haben, zum Beispiel hinsichtlich Wheelie-Neigung.

Die Feinabstimmung

Wenn am Freitagmorgen mit der ersten Session die Action beginnt, liegt also schon viel Arbeit hinter den Teams und den HP Race Support Ingenieuren. Nun geht es an die Feinabstimmung. Aus dem Data Recording werden hierbei alle Daten, also Geschwindigkeiten, Drehzahlen, Drücke, etc., überprüft. Dazu kommt das Feedback des Fahrers.

„Bis die ersten Runden gefahren sind, basiert alles nur auf den Daten vom vergangenen Jahr“, so Bongers. „Nun können wir damit beginnen, die Abstimmung von dieser Basis weg Kurve für Kurve für den Fahrer zu optimieren. In Sachen Elektronik sind dies zum Beispiel die Traktionskontrolle und die Motorbremse. Zudem unterstützen wir die Teams bei der Datenanalyse. Wir bereiten die Daten auf und erstellen Grafiken, anhand derer das Team in Absprache mit den HP Ingenieuren entscheiden kann, welche Änderungen am Chassis vorgenommen werden.“

„In diese Modifikationen fließen die Daten aus dem Data Recording und die Aussagen des Fahrers mit ein“, erklärt er weiter. „Berichtet der Fahrer zum Beispiel, dass sich die Hinterradfederung hart anfühlt, und die Grafik zeigt an, dass die Dämpfungsgeschwindigkeiten zu niedrig sind, wird die Dämpfung aufgemacht, also weicher gestellt. Oder wenn sich zeigt, dass der maximale Federweg nicht erreicht wird, werden weichere Federn eingebaut. Mangelt es an Grip oder Fahrzeugstabilität, können zudem (je nach gültigem Reglement in der entsprechenden Serie), eine ganze Reihe an geometrischen Änderungen durchgeführt werden, um dem Team zu helfen, dem Fahrer ein für seine Bedürfnisse optimales Motorrad hinzustellen - in das er Vertrauen hat und somit schnell sein kann.“

Und so wird alles von Session zu Session weiter optimiert. Dazu kommen jede Menge kleinerer Checks: „Wir prüfen regelmäßig, ob alle Sensoren richtig funktionieren, ob mit dem Pit Speed Limiter alles passt, ob die Rundenzeiten auf dem Dashboard ankommen, und so weiter.“ So geht das, bis am Sonntag die letzte Zielflagge fällt.

Links