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BMW Motorrad Motorsport
News

Helsinki, Finnland, 03.08.2016,

Das finnische Dream-Team

Pekka Päivärinta und Kirsi Kainulainen im Interview

Die beiden sind auf der Rennstrecke ebenso wie im Privatleben ein perfekt eingespieltes Team: Pekka Päivärinta und Kirsi Kainulainen. Mit ihrem von einem BMW S 1000 RR Motor angetriebenen Gespann haben sie in der FIM Seitenwagen-Weltmeisterschaft (SWC) schon mehrfach Geschichte geschrieben. In der vergangenen Saison war Kainulainen die erste Frau, die im Straßenrennsport eine Weltmeisterschaftsmedaille gewonnen hat. Nach acht Podiumsplätzen hatte das finnische Paar die Saison auf dem dritten Gesamtrang beendet.

Der nächste historische Meilenstein folgte in diesem Jahr auf dem Pannonia-Ring in Ungarn. Päivärinta und Kainulainen sicherten sich in ihrem 44-Racing-Gespann den Sieg im Sprintrennen. Damit war Kainulainen die erste Frau in der Geschichte des Rennsports, die einen Weltmeisterschaftslauf im Straßensport gewonnen hat.

Am kommenden Wochenende startet die Seitenwagen-WM im niederländischen Assen in die zweite Saisonhälfte – und Päivärinta/Kainulainen reisen als aktuelle Weltmeisterschaftsführende in die Niederlande. Im Interview stellen die beiden unter Beweis, dass die vermeintlich immer so coolen Finnen äußerst temperamentvoll sein können. Erfahren Sie mehr über den viermaligen Weltmeister und seine Partnerin, die es versteht, ihren Mann zu stehen – selbst im Boxring.

Faszination Seitenwagensport

Frage: „Wann habt ihr mit dem Rennsport angefangen? Und in welchen Kategorien seid ihr vor der Seitenwagen-Weltmeisterschaft angetreten?“

Pekka Päivärinta: „Ich habe mit zwölf Jahren mit Motocross angefangen, und zwischen 15 und 17 bin ich dann Speedway gefahren. Mit dem Seitenwagensport habe ich 1993, im Alter von 22 Jahren, angefangen. Im ersten Jahr als Beifahrer, dann als Fahrer. Ich bin bisher vier Mal Weltmeister geworden: 2008, 2010, 2011 und 2013.“

Kirsi Kainulainen: „Bei mir ging es los, als ich dreieinhalb Jahre alt war, mit einem kleinen 50-ccm-Moped. Mein erstes Rennen habe ich mit elf bestritten, in der 80-ccm-Motocross-Klasse. Mit 14 habe ich dann mit dem Rundstreckensport angefangen, zunächst mit 125er-Bikes. Jetzt fahre ich in der 600-ccm-Klasse – aber ich pausiere in dieser Saison, da ich mich ganz auf die Seitenwagen-WM konzentriere. Im Winter fahre ich zudem Eisrennen.“

Frage: „Kirsi, wie wurde dein Interesse für den Seitenwagensport geweckt? Hat dich Pekka dazu gebracht?“

Kainulainen: „Ja, ich habe angefangen, mich dafür zu interessieren, als ich Pekka in der Finnischen Meisterschaft gesehen habe, wo er mit Adolf Hänni und Timo Karttiala gefahren ist. Ich sah, wie schnell sie sind, welchen unglaublichen Speed sie gehen – und mein Interesse war geweckt. Dann habe ich Pekka gesagt, dass ich das als Beifahrer auch gern selbst mal ausprobieren würde.“

Frage: „Was ist das Faszinierende am Seitenwagensport?“

Kainulainen: „Seitenwagenrennen zu fahren ist sehr aufregend, und es ist auch harte Arbeit. Zudem muss man klug sein, um genau zu verstehen und zu wissen, was dein Partner als nächstes machen will. Das ist nicht einfach, aber der Fahrer und der Beifahrer müssen sich gewissermaßen blind verstehen.“

Päivärinta: „Nun – Seitenwagenrennen sind mein Leben. Was kann ich noch mehr dazu sagen?“

Ein Powerpaar – privat und auf der Rennstrecke

Frage: „Ihr seid nicht nur im Rennsport ein Team, sondern auch privat ein Paar. Wie habt ihr euch kennengelernt?“

Kainulainen: „Wir haben uns im Fahrerlager kennengelernt, und Pekka hat mich dann bei Facebook kontaktiert (lacht).“

Frage: „Wer von euch beiden ist an der Rennstrecke der ‚Boss’? Streitet ihr euch manchmal? Und falls ja: wer gewinnt?“

Kainulainen: „An der Rennstrecke arbeiten wir als Team sehr gut zusammen. Aber es stimmt: Es ist ein Problem, denn Pekka will immer der Boss sein – ich aber auch! (lacht) Wir sind beide sehr temperamentvoll, und im Fahrerlager – wie auch sonst überall – diskutieren wir immer alles aus. Doch auf der Strecke ist alles perfekt, denn da hört man den anderen nicht (lacht). Nein, Spaß beiseite: Unser wichtigstes Ziel ist dasselbe, denn wir beide wollen gewinnen.“

Frage: „Wie wichtig ist es im Seitenwagensport, seinem Partner voll zu vertrauen?“

Kainulainen: „Man muss dem anderen zu 120 Prozent vertrauen. Aber man muss sich selbst auch zu 120 Prozent einbringen. Wenn das in einem Team nicht der Fall ist, kann es gefährlich werden.“

Frage: „Pekka, warum ist Kirsi der perfekte Beifahrer?“

Päivärinta: „Aus vielen Gründen. Sie ist leicht und körperlich topfit. Und da sie selbst Motorradrennen fährt, hat sie ein enormes Verständnis für den Fahrer und weiß in den Kurven, welche Linie perfekt ist.“

Frage: „Kirsi, warum ist Pekka der perfekte Fahrer?“

Kainulainen: „Pekka ist ein großartiger Fahrer, weil er sehr schnell und gleichzeitig clever ist. Er hat einen sehr flüssigen Fahrstil und macht keine Fehler. Und er hat schon sehr, sehr oft gewonnen (lacht).“

Historische Momente

Frage: „Kirsi, im vergangenen Jahr hast du als erste Frau überhaupt eine WM-Medaille in einer Straßensport-Kategorie gewonnen. In dieser Saison warst du die erste Frau, die einen WM-Lauf im Straßensport gewonnen hat. Was bedeutet dir das?“

Kainulainen: „Meine erste WM-Medaille, die ich im vergangenen Jahr gewonnen habe, war etwas Großes – und sie bedeutet mir heute sehr viel, auch wenn das Saisonende zunächst etwas enttäuschend war. Aber Platz drei der Weltmeisterschaft war das Beste, was wir im vergangenen Jahr erreichen konnten, und jetzt bin ich über dieses Ergebnis wirklich sehr glücklich. Den ersten Sieg zu holen, war ein großartiger Moment in meinem Leben, und ich bin immer noch sehr bewegt. Dies ist so ein herausragendes Gefühl, und es sind genau diese Emotionen, die uns nur unser Sport geben kann.“

Frage: „Ihr seid ein Teil der BMW Motorrad Motorsport Familie und in der Race Trophy immer vorn dabei. Wie gefallen euch diese weltweite Community und dieser besondere Wettbewerb? Und was habt ihr mit dem Preisgeld gemacht, das ihr im vergangenen Jahr gewonnen habt?“

Päivärinta: „Das Konzept der BMW Motorrad Race Trophy ist klasse, und wir sind dankbar, dass wir ein Teil der BMW Familie sind. Das all dies möglich ist, macht uns glücklich, und es ist sehr wichtig für uns.“

Kainulainen: „Und das Preisgeld ist komplett in unser Gespann geflossen. Wir haben es investiert in Teile, Reifen, Benzin und eben alles, was wir brauchen, um Rennen zu bestreiten.“

Von der Baustelle in den Boxring

Frage: „Erzählt uns von eurem Leben abseits der Rennstrecke. In welchen Berufen arbeitet ihr, und was macht ihr in eurer Freizeit?“

Päivärinta: „Ich bin selbständiger Handwerker und habe eine kleine Firma. Meine Hobbys sind alle sehr sportlich: Langlaufen, Laufen und Eisrennen fahren.“

Kainulainen: „Ich habe auch eine Firma, die Handwerkerleistungen auf dem Bau anbietet. Eigentlich bin ich gelernte Automechanikerin und habe zehn Jahre lang in diesem Job gearbeitet. Aber nach zwei Rückenoperationen musste ich den Beruf aufgeben, da die Arbeitshaltung alles andere als optimal war und ich das nicht mehr jeden Tag machen konnte. Zudem arbeite ich nebenbei in einem Fitnessstudio und als Personal Trainer. In meiner Freizeit liebe ich das Boxen – das ist eines meiner größten Hobbys. Dazu gehe ich Langlaufen, Laufen und Radfahren, ich trainiere im Studio, und wie ich schon gesagt habe, fahre ich Eisrennen.“

Päivärinta: „Wenn wir nicht gerade Rennen fahren, arbeiten oder trainieren wir. Aber natürlich versuchen wir auch, Zeit mit dem Rest der Familie zu verbringen.“

Frage: „Die Finnen sind im Motorsport in fast jeder Kategorie auf zwei und vier Rädern stark – woran liegt es, dass die Finnen so gute Rennfahrer sind?“

Päivärinta: „Ich denke, das liegt daran, dass Finnland ein Land mit viel Wald und langen Wintern ist. Also nimmst du dir einfach ein Auto, ein Motorrad oder was auch immer und fährst. Im Winter auf zugefrorenen Seen und im Sommer im Wald und auf einsamen Sandpisten.“

Kainulainen: „Was kann man auch sonst Interessantes machen, wenn man in diesen großen Wäldern lebt?“ (lacht)

Frage: „Es ist Saisonhalbzeit – wie lautet euer Ziel für die zweite Hälfte? Sicherlich, den Weltmeistertitel zu gewinnen?“

Päivärinta: „Wir werden sehen, was in der zweiten Saisonhälfte passiert. Natürlich werden wir unser Bestes geben, und wir wollen die Weltmeisterschaft gewinnen. Aber das ist nicht einfach, und da gibt es viele andere Jungs, die sie auch gewinnen wollen. Doch wir hoffen auf eine reibungslose und problemfreie Saison – mit einem guten Ende für uns.“

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