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BMW Motorrad Motorsport
News

Moneymore, Großbritannien, 13.07.2016, British Superbike Championship (BSB) BMW Combined Road Race Challenge (BMW RRC)

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Ian Hutchinson im Interview

Egal ob im Road Racing oder auf der Rennstrecke: In seiner ersten Saison auf der BMW S 1000 RR hat Ian Hutchinson bisher jedes Rennen auf dem Podium beendet. Unter anderem siegte der 36-jährige Tyco BMW Pilot auf der Isle of Man und in der Superstock-Klasse der British Superbike Championship. Damit hat er sich endgültig ganz oben zurückgemeldet.

Im Road Racing ist „Hutchy“ längst eine Legende. 2010 gewann er als erster Pilot überhaupt alle fünf Rennen der Isle of Man Tourist Trophy. Doch kurz darauf wäre seine Karriere beinahe jäh beendet gewesen. Bei einem Supersport-Rennen in Silverstone zog er sich schwerste Verletzungen am linken Bein zu, es drohte sogar die Amputation. Zwei Jahre später brach er sich das Bein bei einem Showauftritt in London erneut. Doch Hutchinson kämpfte sich zurück. Nach 30 Operationen und Jahren der Reha meldete er sich 2015 mit einem Hattrick auf der Isle of Man zurück.

Zur Saison 2016 wechselte er zu Tyco BMW und auf die BMW S 1000 RR – und setzte zu seiner beeindruckenden Podiumsserie an. Beim North West 200 gewann er mit der RR das Superstock-Rennen und wurde Zweiter im Superbike-Rennen. Bei der Isle of Man TT 2016 war er der erfolgreichste Pilot überhaupt: Mit der RR holte er den Sieg in der Superstock TT sowie jeweils den zweiten Rang in der Superbike TT und der Senior TT. Dazu kamen zwei Siege in den 600-ccm-Supersport-Rennen. Inzwischen hat er insgesamt 14 Isle-of-Man-Siege auf seinem Konto.

Zudem ist „Hutchy“ mit der Tyco BMW S 1000 RR auch auf der Rundstrecke erfolgreich, in der Superstock-Klasse der British Superbike Championship. Fünf Rennen hat er dort in diesem Jahr bisher bestritten, in allen fünf stand er auf dem Treppchen, und in der Meisterschaft ist er aktuell Zweiter. Erst am vergangenen Wochenende feierte er in Snetterton einen dominanten – und besonderen – Sieg. Es war sein erster Rundstreckensieg nach seinem Unfall. Zu den ersten Gratulanten gehörte übrigens der Arzt, der Hutchinson damals behandelt hatte – er war in Snetterton zu Gast.

Im Interview spricht „Hutchy“ über seine ungewöhnlichen Anfänge im Rennsport, die Isle of Man sowie sein besonderes Verhältnis zu seiner RR, und er gibt jungen Rennfahrern einen wichtigen Rat mit auf den Weg.

Ungewöhnlicher Weg in den Rennsport

Frage: „Wann war der Moment, in dem du wusstest, dass du ein professioneller Motorrad-Rennfahrer werden willst?“

Ian Hutchinson: „Das war wirklich sehr komisch, denn ich hatte mir nie zum Ziel gesetzt, ein professioneller Motorrad-Rennfahrer zu werden. Ich habe mit 17 meinen Führschein gemacht und bin dann Straßenbikes gefahren, bis ich 21 war. Ich habe – nur so zum Spaß – mit dem Club-Racing angefangen, dann wollte ich Rennen gewinnen, und so kam eines zum anderen ... und dann wurde ich, eigentlich eher durch Zufall, Profi.“

Frage: „Du bestreitest Straßenrennen, trittst aber auch auf der Rundstrecke an. Als was würdest du dich eher bezeichnen – als Road Racer oder als Rundstreckenfahrer?“

Hutchinson: „Am erfolgreichsten bin ich wahrscheinlich im Road Racing, aber ich denke, das liegt vor allem daran, dass ich so spät mit dem Rennsport angefangen habe und meine ersten Erfolge im Road Racing hatte. Was die Rundstrecke angeht, hatte ich nicht so viele Möglichkeiten und Chancen, Rennen zu bestreiten. Sobald ich angefangen habe, Straßenrennen zu gewinnen, wollte mich jeder im Road Racing unterstützen, aber weniger auf der Rennstrecke. Ich kämpfte also immer darum zu beweisen, dass ich es auch auf der Rundstrecke kann.“

Frage: „Und was gefällt dir besser?“

Hutchinson: „Mir macht beides sehr großen Spaß. Die beiden Disziplinen sind komplett anders, und über das Jahr gesehen reicht mir das Road Racing allein nicht aus. Ich trete nur bei drei Rennen an, im Mai, Juni und August, und dann ist die Saison vorbei. Ich will mehr Rennen bestreiten, und deshalb macht es mir Spaß, auch in der Britischen Meisterschaft zu fahren.“

Das unglaubliche Comeback

Frage: „Es gab Zeiten, da wusstest du nicht, ob du überhaupt je wieder Motorradrennen bestreiten kannst. Doch danach hattest du ein sensationelles Comeback. Wie gut tut der Erfolg, den du nach deinem Unfall hast?“

Hutchinson: „Es fühlt sich besser an als alle Erfolge, die ich vorher hatte. Es wäre schon unglaublich gewesen, nach dem Unfall einen TT-Sieg zu holen. Und wenn ich danach aus irgendeinem Grund hätte aufhören müssen, hätte ich glücklich sein können, weil ich zurückgekommen bin und wieder gewonnen habe. Aber nun habe ich nach meinem Unfall schon sechs TT-Siege geholt – jetzt fehlen mir nur noch zwei, und dann war ich nach meinem Unfall erfolgreicher als vorher.“

Frage: „Du hast als erster Pilot überhaupt alle fünf Rennen einer Isle of Man TT gewonnen. Was ist das Geheimnis, wie man dort gewinnt?“

Hutchinson: „Es gibt kein Geheimnis. In ein paar Rennen, die ich gewonnen habe, hatte ich auch Glück. Aber ich muss sagen: Als ich zurückgekommen bin – nach meinem Unfall 2010 und vier Jahren, in denen ich verletzt oder gar nicht angetreten bin – habe ich mich auf jedem Bike und in jeder Klasse wohl gefühlt. Ich war in jeder Klasse schnell. Und es gibt nicht viele Fahrer, die in jeder Klasse schnell sind.“

Frage: „Kannst du für uns, die diese Erfahrung nie gemacht haben, beschreiben, wie es ist, auf der Isle of Man zu fahren?“

Hutchinson: „Es ist furchteinflößend – vor dem Rennen. Es ist Spaß – nach dem Rennen (lacht). Tatsächlich ist es so, dass man nicht viel vom Rennen mitbekommt, wenn man versucht zu gewinnen. Denn man reitet volle Attacke und pusht, um den Sieg zu holen. Es macht Spaß, aber es ist schwierig, es während des Rennens richtig zu genießen. In der Trainingswoche ist es manchmal schöner, weil man da keinen Druck hat.“

Frage: „Was entgegnest du Leuten, die sagen, Road Racing sei zu gefährlich?

Hutchinson: „Das ist das Bergsteigen am Mount Everest auch. Ich denke: Da die Isle of Man TT nur zwei Wochen dauert, passiert alles, was passieren kann, innerhalb von zwei Wochen. Deshalb spricht danach jeder über die schlechten Seiten. Wenn man nur zwei Wochen im Jahr auf den Mount Everest klettern könnte, wie viele Menschen würden in diesen beiden Wochen sterben? Das würde für großes Aufsehen sorgen, und die Leute würden sagen: ‚Dem muss ein Ende bereitet werden’. Aber es ist über das Jahr verteilt und gerät in Vergessenheit. Jemand stirbt am Everest, und es vergehen ein paar Monate, bis es wieder passiert. Das ist überall so, beim Reiten oder allem, wobei Menschen sich verletzen: Wenn du es dir anschaust und jemand einen Unfall hat, denkst du, dass es verrückt ist. Doch das ist das, wofür wir uns entschieden haben, es zu tun – genau so wie andere Sportler sich dafür entschieden haben, ihre Sportart zu betreiben.“

„Hutchy“ und die RR: „Es hat Klick gemacht“

Frage: „Es ist deine erste Saison auf der Tyco BMW S 1000 RR. Was gefällt dir an dem Bike?”

Hutchinson: „Es hat sich für mich vom ersten Moment an einfach ganz natürlich angefühlt, das Bike zu fahren. Es ist ein Motorrad, auf dem man sich wohlfühlt, wenn man attackiert. Zwischen mir und dem Bike hat es einfach ‚Klick’ gemacht, es passt rundherum. Ich denke, dass jeder in seiner Karriere die eine Maschine hat, mit der es ‚Klick’ macht, mit der er perfekt zurechtkommt. Und das ist bei mir nun dieses Bike.“

Frage: „Das beweist du auch in der Superstock-Klasse der BSB. Du warst bisher in jedem Rennen auf dem Podium und hast erst am vergangenen Wochenende den Sieg geholt. Das sorgt sicher auch für sehr viel Zufriedenheit bei dir...“

Hutchinson: „Ja, es ist großartig, auf der Rundstrecke wieder auf diesem Level zu sein. Ich habe mir die Superstock-Rennen über die Jahre immer angeschaut, und 2015 habe ich auch an einem teilgenommen. Das war schrecklich, ich kam auf Rang 21 ins Ziel. Und ich habe mir die Spitzenleute im Qualifying angeschaut und mir gedacht: ‚Wow, ich glaube nicht, dass ich das je wieder schaffen kann.’ Aber ich bin zurück, und ich bin schnell. Beim Test in Snetterton blieb ich sogar eine Sekunde unter dem Rundenrekord. Es ist wunderbar, zurück zu sein, und ich liebe die Tatsache, dass ich das wieder kann.“

Frage: „Hast du irgendwelche Hobbys oder Interessen, die überhaupt nichts mit dem Rennsport zu tun haben?“

Hutchinson: „Eigentlich nicht wirklich, alles hat irgendwie damit zu tun. Motocross, Trial fahren, Mountainbiking, Racing, und so weiter. Früher bin ich auch Snowboard gefahren, aber das kann ich mit meinem Bein nicht mehr.“

Das Wichtigste? Geduld und Spaß

Frage: „Wie sieht für dich das perfekte freie Wochenende aus?“

Hutchinson: „Das ist schwierig zu sagen. Wenn es ein freies Wochenende zwischen zwei Rennen ist, dann wäre das wahrscheinlich irgendwo im Süden, einfach die Zeit am Pool und in der Sonne zu genießen. Aber wenn man schon einen Monat lang kein Rennen mehr gefahren ist, zum Beispiel im Winter, dann würde man denken: ‚Ah, ich will wieder auf ein Bike’. Dann würde ich zum Motocross oder Trial-Fahren gehen.“

Frage: „Welchen Rat würdest du jungen Fahrern mitgeben, die davon träumen, ebenfalls als Pilot in Straßenrennen oder auf der Rundstrecke anzutreten?“

Hutchinson: „Ich denke, das allerwichtigste ist, geduldig zu sein und Spaß zu haben. Man kann nichts erzwingen. Natürlich ist es in diesem Alter schwierig, Geduld zu haben. Denn wenn man ein Rennen verpasst, wenn man verletzt ist und ein Rennen nicht fahren kann, dann ist das für so ein Kid das Ende der Welt. Aber sie haben noch so viel Zeit vor sich. Wenn man ein schlechtes Jahr hat, dann muss man nur daran arbeiten herauszufinden, warum es schlecht war und versuchen, es zu ändern. Und man muss es genießen. Denn so ein Jahr geht so schnell vorbei. Vor dem North West 200 war ich mit meinem Team bei einem Rennen in Oulton Park, und die Jungs haben gesagt: ‚Oh, in einer Woche geht schon das North West los.’ Ich habe geantwortet: ‚Ehe wir uns versehen, ist die Isle of Man TT vorbei.’ Der Mai und der Juni rasen wie im Flug an dir vorbei. Deshalb muss man versuchen, es ausgiebig zu genießen, denn es ist schon wieder vorüber, bevor man es bemerkt.“

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