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BMW Motorrad Motorsport
News

Le Mans, Frankreich, 13.04.2016, FIM Endurance World Championship (EWC)

Die Kämpfer von Le Mans

Die Geschichte von denen, die niemals aufgeben

Sonntag, 15 Uhr, Le Mans: Martin Choy bringt die BMW S 1000 RR mit der Startnummer 52 ins Ziel des 24-Stunden-Rennens. Zwar steht für sein Team IVR BMW Motorrad CSEU nur der 45. und damit letzte Platz zu Buche – aber die Zielankunft wird von Choy, seinem Fahrerkollegen Roland Resch und der gesamten Mannschaft euphorisch gefeiert.

Denn hinter ihnen liegen fast unglaubliche 24 Stunden. Choy und Resch mussten das gesamte Rennen zu zweit bestreiten, nachdem sich ihr Teamkollege Janez Prosenik bereits in seiner ersten Runde bei einem Sturz schwer verletzt hatte. Choy und Resch gingen an ihr körperliches Limit – und darüber hinaus. Mit ihrem Kampfgeist und ihrem Willen haben sie eindrucksvoll bewiesen, was es wirklich heißt, niemals aufzugeben.

„Wir ziehen das durch“

Dass Le Mans eine Herausforderung werden würde, wusste das Team IVR BMW Motorrad CSEU schon vorher. Denn es war das erste Rennen für die noch junge Mannschaft. Innerhalb von vier Wochen wurde die BMW S 1000 RR komplett neu aufgebaut. In der Vorbereitung hat die Mannschaft nur einmal in Almeria getestet, dann wurde es auch schon ernst. „Alles war neu, wir hatten kein Setup und sind einfach gefahren. Schon von daher ist es eigentlich unglaublich, dass wir es bis ins Ziel geschafft haben“, sagt Resch, der das zweite 24-Stunden-Rennen seiner Karriere bestritt. Doch Le Mans hatte noch ganz andere Hürden für das Team parat.

Es passierte in der Anfangsphase des Rennens. Nachdem es zuvor geregnet hatte, trocknete die Strecke langsam ab. Alle Teams wechselten auf Slicks, so auch IVR BMW Motorrad CSEU, als Resch die RR beim planmäßigen Fahrerwechsel an Prosenik übergab. Doch der Slowene verlor auf einer noch nassen Stelle die Kontrolle über das Motorrad und stürzte schwer. Während Prosenik medizinisch versorgt wurde, stand das Team vor der Entscheidung, wie es weitergehen soll und kann. Die Diagnose, dass sich Prosenik einen dreifachen Beckenbruch und eine Fraktur des Handgelenks zugezogen hat, kam erst später. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass er nicht weiterfahren kann.

Resch und Choy mussten das komplette Rennen nun allein bestreiten. Und sie waren sich einig: „Wir ziehen das durch.“

Stündlicher Fahrerwechsel bis zum Morgengrauen

Die beiden wechselten sich stündlich im Sattel der RR ab – vom Start um 15 Uhr durch die ganze Nacht bis zum Morgengrauen. „Das war irre. Wir waren alle am Anschlag. Du steigst vom Motorrad ab und hast maximal 40 Minuten, um irgendwie zu regenerieren, bevor es wieder losgeht. Das ist Hardcore. Geschlafen haben wir natürlich gar nicht“, schildert Resch.

Um halb fünf am Sonntagmorgen entschied das Team, eine Pause einzulegen. Die RR wurde für zwei Stunden in die Box gestellt und durchgecheckt, während die beiden Fahrer sich endlich etwas erholen konnten. Resch: „Das war Gold wert, denn wir beide haben diese zwei Stunden Schlaf wirklich gebraucht.“

Danach ging es weiter im stündlichen Wechsel. Doch die schiere Anstrengung, ein Race-Motorrad Tag und Nacht im Renntempo um die Strecke zu bewegen, forderte immer mehr Tribut.

Körperlich am Limit

In den letzten drei Rennstunden änderten sie ihren Wechselrhythmus dann auf halbstündige Stints. „Ich hatte irrsinnige Schmerzen und Martin war mit seiner Kondition auch am Ende. Es wäre einfach nicht mehr gegangen, eine ganze Stunde durchzufahren“, so Resch.

„Diese letzten drei Stunden waren so anstrengend. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr man körperlich am Limit war. Ich hatte Schmerzen im Genick, im Rücken, in den Unterarmen“, schildert er. „Aber wir haben es durchgezogen. Wir haben gesagt: ‚Ja, wir wollen das Rennen zu Ende fahren, auch wenn wir nur zu zweit sind.’“

Noch mehr Dramatik in der Schlussphase

Doch damit war es noch nicht genug der Dramatik, die Le Mans für das Team IVR BMW Motorrad CSEU zu bieten hatte. Wenige Minuten vor Schluss schien der Traum von der Zielankunft doch noch zu platzen – all die Mühen schienen umsonst gewesen zu sein. Der Grund: die Batterie.

„Es war der letzte Boxenstopp. Ich kam rein, gab Martin das Motorrad und sagte ihm, dass alles super sei und er jetzt noch für die letzten Runden rausfahren könne“, so Resch. „Er fuhr weg, aus der Boxengasse raus, und auf einmal fing das Motorrad zu stottern an und das Dashboard fiel aus. Martin sagte nur: ‚Nein, nein! Bitte, lieber Gott, lass mich bitte noch eine Runde fahren, damit ich zurück an die Box komme.’ Er hat diese Runde auch irgendwie geschafft. Er hat Gas gegeben und die Kupplung gezogen. So hat er das Motorrad praktisch im Leerlauf rollen lassen. Kurz vor der Einfahrt in die Boxengasse ist er dann abgesprungen und hat das Bike mit Vollgas die restlichen 300 Meter bis zur Box geschoben. Dabei durfte ihm ja keiner helfen. Ihm ist richtig schwarz vor Augen geworden, so fertig war er.“

Aber auch diese Herausforderung meisterte das Team. Die Batterie wurde gewechselt, und die #52 RR konnte auch die letzten fünf Minuten des Rennens zu Ende fahren.

„Ultimativ stolz auf dieses Team“

Le Mans war eine echte Bewährungsprobe für die junge Mannschaft – die sie mit Bravour bestanden hat. „Ich bin ultimativ stolz auf dieses Team. Denn ohne jede Erfahrung ein 24-Stunden-Rennen mit nur zwei Fahrern zu beenden, das gibt es nicht oft auf der Welt“, sagt Resch. „Jetzt ist vor allem wichtig, dass Janez so schnell wie möglich wieder gesund wird. Ich hoffe, dass es ihm bald wieder besser geht.“ Diesen Genesungswünschen schließt sich die gesamte BMW Motorrad Motorsport Community an.

Und Resch? Der kann es nun kaum erwarten, bis im Juni mit den 12 Stunden von Portimão der zweite Lauf der FIM Endurance World Championship 2016 ansteht: „Das war wirklich das härteste Rennen meines Lebens. Aber wir haben unseren Job gut gemacht, das Team hat unglaublich gut gearbeitet und das Motorrad ist bestens gelaufen. Der Motor, die Technik, alles hat super funktioniert. Ich freue mich schon sehr auf Portimão!

Links

• FIM LANGSTRECKEN-WELTMEISTERSCHAFT (EWC)
• www.fimewc.com